Was bleibt aus Markensicht von diesem Jahr? / Dezember 2017

Es sollte ein Experiment werden, um zu testen wie beeinflussbar Bewertungsportale wie Tripadvisor sind. Journalist Oobah Butler schaffte es, seine alte Gartenlaube in weniger als einem Jahr zum begehrtesten Restaurant Londons zu machen. Und das ohne jemals eine Mahlzeit serviert zu haben. Butler baute eine Website und trug eine Telefonnummer ein. Tische vergab er nur nach telefonischer Reservierung. Bei Anfragen gab er an, auf 6 Wochen ausgebucht zu sein. Den genauen Ort des Restaurants hielt er geheim. Zusammen mit geschickt gefakten Rezensionen erschuf diese Verknappungs-Strategie einen noch nie dagewesenen Hype. Zum Markenfake des Jahres…

 

2017 lehrt uns erneut: Ein ordentlicher Skandal haut noch lange keine echte Marke um: Samsung vertrauen im Jahr brennender Handy-Akkus mehr Menschen als je zuvor. Volkswagen erlebt trotz Diesel-Affäre den größten Gewinn seiner Geschichte. Die beiden Fälle zeigen, dass große Marken nicht durch einen Skandal zu zerstören sind. Das über Jahrzehnte aufgebaute Vertrauen wirkt als Schutzschild für auftretende Reputationskrisen. Die Marke schützt Unternehmen wie Persönlichkeiten in stürmischen Zeiten. Also: Brust raus, Markenhelm auf und durch. 

 

Ihm fehlte eine klare Mission, ein konkretes Projekt und Klartext. Erst als es vorbei war, bließ er am Wahlabend zur Attacke. Da waren die Zettel aber schon ausgezählt. So reicht es wohl trotzdem zu Muttis Junior Partner. Aber wer weiß das schon am Ende dieses politisch verrückten Jahres.

 

Google, Apple, Amazon, Microsoft und Facebook diktieren wie wir leben. Und haben nicht nur Geldvermögen, sondern bereits jede Menge Markenkapital angesammelt: die großen 5 aus dem Silicon Valley umfassen bereits 25 % des Markenwerts aller Top100 Marken unserer Zeit. Noch vor 10 Jahren belegte Coca Cola Platz 1 des Markenrankings. Heute beherrschen die Tech-Marken die Monopol-Positionen im Vertrauen, wie auch im Markenwert-Ranking. Wie viel Vertrauen ist gut? Und wie schaffen wir es eine europäische Marke mit ähnlicher Bedeutung aufzubauen? Diese Fragen werden uns auch über 2017 hinaus beschäftigen.

 

Im Sandwich zwischen den Luxus-Airlines und den Ryanair und ohne klare Ausrichtung auf Urlaubsreisende oder Business-Kunden war für Airberlin kein Platz am Markt. Mit Airberlin verschwinden leider auch die Schokoherzen, die Fluggäste am Ende eines Fluges überreicht wurden. Neben diesem herzigen Ritual wird leider nicht viel von der Marke in Erinnerung bleiben. Ein Ende mit Ansage. Tschüss Airberlin!

 

Immer mehr Menschen vertrauen Marken, die unseren komplexen Alltag leichter machen. Convenience-Marken wie die Drogeriemarktkette dm und Amazon sind folgerichtig eine der großen Gewinnermarken 2017. dm ist die mit Abstand attraktivste Marke im Drogeriehandel, vor Rossmann. Die Marke punktet mit klarer Markenphilosophie und mutigen Sortimentserweiterungen. So liegen seit diesem Jahr auch Sexspielzeuge der Marke Amorelie neben Zahnbürsten und Duschgels. Amorelie hatte Vibratoren unlängst aus der Schmuddelecke geholt. Mit Erfolg.

Die Markenkooperation wird vom Verbraucher als stimmig empfunden. Der offene und menschliche Auftritt der Marke Amorelie passt genau zur Devise des Drogerie-Primus „Hier bin ich Mensch, hier kauf ich ein“. Hinzu kommt: Starke Eigenmarken bleiben die Stärke von dm. Und bei Amazon kann man sehen, wie unsere vielen Weihnachtspakete den Markenwert in die Höhe treiben: Amazon weißt das stärkste Markenwert-Wachstum aller Marken in 2017 auf. Unsere Bequemlichkeit macht’s möglich. Convenience auf Basis digitaler Geschäftsmodelle ist und bleibt der Wachstumstreiber für Marken schlechthin. *

*MillwardBrown 2017

 

nur diese Marke gehörte in den letzten 10 Jahren immer zu den Top5 der wertvollsten Marken der Welt. Microsoft ist nach wie vor aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Die Erwartungshaltung der Fans ist deutlich kleiner als bei Apple. Dementsprechend ist auch die Fallhöhe geringer. 

 

Kein Album wurde mehr gestreamt als ein 2017 veröffentlichtes Werk „Divide“ (45 Mio Hörer monatlich). Kein Song wurde häufiger gestreamt als sein Titel „Shape of you“. Er brach mit seinem Album einen weiteren unfassbaren Rekord: Im März 2017 belegte der rothaarige Musiker 14 der ersten 15 Plätze in den britischen Single-Charts. Die begehrlichste Marke im aktuellen Musikbusiness überzeugt durch eigenen Stil und echter handgemachter Musik – den Oberflächlichkeiten der Branche zum Trotz. 

 

Auch wenn die Existenz von Jesus Christus nicht bewiesen ist, so feiert auch dieses Jahr die christliche Welt seine Geburt. Und das schon zum 2017ten Mal. Kennen Sie eine Marke, die sich so lange gehalten hat, ohne ihre Existenz eindeutig nachweisen zu können. Sehen Sie. Unser Glaube, viele Rituale und jede Menge Geschichten erschaffen die Superbrand Jesus Christus.

 

 

Die stärkste Marke liegt in Dir selbst. Deshalb bleibt unser Fazit 2017 das gleiche wie 2016: Identität entwickeln. Attraktivität spüren

 

Veröffentlicht: 22. Dezember 2017

 

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