Greenwashing

Mit unseren vier Top-Tipps werden Sie garantiert zum Greenwasher. So einfach geht Nachhaltigkeit. Nicht.

Sie wollen den allgegenwärtigen Öko-Trend nicht verpassen, scheuen aber Kosten und Mühen? Dann verstecken Sie doch den Wolf im Schafspelz, indem Sie sich ein grünes Mäntelchen umhängen!

1. Blasen Sie die Backen auf

Schreiben Sie sich das Thema Nachhaltigkeit auf die Fahne, auf Ihre Website und in Ihre Produktbroschüren. Unternehmen Sie aber ansonsten möglichst wenig. Wenn Sie sich schon zur Nachhaltigkeit bekennen, müssen Sie deshalb ja noch lange nicht versuchen, Ihre festgesetzten Ziele auch zu erreichen. Lassen Sie die Implementierung der Nachhaltigkeit im Unternehmen so gut es geht schleifen. Noch besser: Unterlassen Sie die Umsetzung komplett. Leben Sie bloß kein nachhaltiges Handeln vor und ermuntern Sie Ihre Mitarbeiter auch keinesfalls dazu, aktiv zu werden.

Und vermeiden Sie unbedingt, berechenbar zu werden. Hängen Sie Ihr Fähnchen in den Wind. Das hilft Ihnen langfristig, Vertrauen bei Ihren Mitmenschen zu verspielen und ihre Position als Greenwasher-Größe zu festigen.

2. Wahren Sie den schönen Schein

Um sich nicht in tiefergehende Veränderungsprozesse verstricken zu müssen, verpassen Sie Ihrem Unternehmen – gut sichtbar für alle – einfach einen schönen grünen Anstrich. Delegieren Sie das Thema Nachhaltigkeit an Ihre Marketingabteilung. Dort wird man souverän den Pinsel mit grüner Farbe schwingen. Und damit ist die Arbeit auch schon getan. Denn wer hat heutzutage schon Zeit, hinter die Kulissen zu schauen? Ihre Kunden bestimmt nicht. Machen Sie sich das Leben nicht unnötig schwer.

Nehmen Sie sich lieber ein Beispiel an McDonald´s: Hier war einst ein echter Profi am Werk und hat das altbekannte Logo einfach grün eingefärbt.

3. Hängen Sie immer gleich alles an die große Glocke

Der Eindruck, den Sie bei anderen hinterlassen, hängt maßgeblich davon ab, was Sie wann und zu wem sagen. Um erfolgreiches Greenwashing zu betreiben, ist es Ihre oberste Pflicht, ein umfangreiches Vokabular zum Thema Nachhaltigkeit parat zu haben und hemmungslos inflationär hinauszuposaunen – selbst dann, wenn es keiner hören möchte. Klassische Begriffe wie „klimaneutral“ oder „ökologisch“ ersetzen unbequeme, zeitraubende Erklärungen. Vermeiden Sie unter allen Umständen, näher darauf einzugehen, was Sie eigentlich genau meinen.

Klimaneutralität kann nicht von heute auf morgen erreicht werden. Sagt wer? Sie jedenfalls nicht: Behaupten Sie einfach, dass Sie es bereits geschafft haben.

Insbesondere in Krisenzeiten ist Einfallsreichtum geboten und die Erfindung unzutreffender Fakten oberste Greenwasher-Pflicht!

Machen Sie es wie BP: Im Jahr 2010 explodierte und versank eine Plattform des Ölkonzerns vor Mexiko. Mehrere Millionen Liter Öl und Tausende Tonnen Gas wurden freigesetzt. BP reagierte darauf mit beispiellos peinlichen PR-Kampagnen. Für ein sauberes Image investierte man u. a. in kritische AdWords und veröffentlichte manipulierter Fotos.

Wieso sollten Sie das nicht auch können?

4. Schmücken Sie sich ruhig mit fremden Federn

Die hohe Kunst des Greenwashings besteht auch darin, keine eigenen Ideen zu entwickeln, sondern die erfolgreichen Initiativen anderer für sich zu vereinnahmen. Andere die ganze Arbeit machen lassen und dafür nicht einen Cent bezahlen? Klingt wie der Traum eines jeden ambitionierten Greenwashers, ist aber gar nicht so weit hergeholt. Und falls es jemandem auffällt, handelt es sich selbstverständlich um ein Kavaliersdelikt, denn es geht ja um Nachhaltigkeit! Falls Sie noch Inspiration suchen, schauen Sie nach Wolfsburg. Dort zeigt VW, wie einfach Trittbrettfahren ist: „Endlich können wir die Kinder zur Klimademo fahren.“, lautete der Werbeslogan des eigenen E-Car-Sharing-Dienstes. Abgebildet war auch ein Foto von Greta Thunberg. Natürlich ohne Kooperationen oder Absprachen. Clever, VW!

 

Beherzigen Sie also unsere Ratschläge, bevor das Projekt Nachhaltigkeit auch bei Ihnen in eine gesamtunternehmerische Bewegung ausartet! Sonst leisten Sie am Ende womöglich noch einen wertvollen Beitrag.

 

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