Was macht die Marke Casper so erfolgreich? 

20 verschiedene Matratzen für sieben verschiedene Schlaftypen und vier Gewichtsklassen mit sieben Zonen. Und was bleibt zurück? Ein entnervter und überforderter Kunde im Laden. Man stelle sich vor, es gäbe eine Matratze wie ein iPhone: intuitiv, einfach und für jeden geeignet.

Genau diese Undurchsichtigkeit haben die Casper-Gründer als Chance gesehen. Damals waren Sie selbst auf der Suche nach einer qualitativ hochwertigen Matratze. Sie haben sich die Zeit genommen, intensive Forschungen über Ihr zukünftiges Produkt anzustellen, um die eine Schlafunterlage für alle zu entwickeln. Und? – Es ist ihnen gelungen. Der Erfolg gibt dem noch sehr jungen Unternehmen Recht. Mehr als eine halbe Milliarde US-Dollar ist Investoren das New Yorker Unternehmen Casper bereits wert. Einblicke in den Maschinenraum der Marke von Julia Stepper. 

Markenidentität

 

Wie Casper die Regeln der Matratzenindustrie bricht:

Regelbruch Nr. 1: Kundenorientierung statt Matratzenschonung

Schlaf ist ein Grundbedürfnis eines jeden Menschen. Was hätte Casper-Chef Philip Krim also besseres machen können, als dieses Bedürfnis aufzugreifen und zu optimieren.

Um für unzählige Schlaftypen eine Matratze zu entwickeln, muss man sich voll und ganz dem Menschen annehmen. Dies war nicht nur in der Entwicklungsphase der Fall. Ebenso klärt Casper genau darüber auf, warum Sie welches Material an jener Stelle verwenden: Offenheit und Transparenz statt Distanz. Der Nähe zum Kunden bleiben Sie auch nach dem Kauf treu: Vakuumverpackt kommt die Casper-Matratze beim Entspannungssuchenden an. Zuhause ausgepackt ist es möglich, die neue Errungenschaft 100 Nächte lang zu testen. „Uns geht es dagegen darum, zu ihnen eine  lebenslange Beziehung  aufzubauen“, sagt Casper-Gründer Krim.

Regelbruch Nr. 2: Eine für alle

Außerdem gibt Casper den Menschen eine gewisse Sicherheit zurück. Woher soll der Matratzennutzer bei einem anderen Anbieter wissen, welche von den 30 Härtegraden der richtige für seinen schmerzenden Rücken ist? Vielleicht vom 2-stündigen Liegemarathon auf eingetüteten Liegegelegenheiten im Laden? Casper hingegen belohnt den Suchenden mit einem guten Gefühl, mit nur einer Matratze im Sortiment. Und damit haben die Matratzenpioniere auch eine Entscheidung gegen den Strom getroffen: Nicht für jedes klitzekleine Kunden-Bedürfnis braucht es ein eigenes Produkt.

Regelbruch Nr. 3: Neue Marktufer ergründen

Der Markt der Matratzen ist hart umkämpft und das Produkt an sich ist alles andere als neu und sexy! Schließlich hat jeder eine Bettenauflage zuhause, aber niemand redet darüber oder stellt sie zur Schau. Dennoch trauen sich die Casper-Entwickler, einen stark besiedelten Markt zu betreten – und zu erobern. Nicht nur aufgrund der optimierten Leistung, sondern auch durch einen prägnanten Stil, der ihre Marke sichtbar und einprägsam macht. Und Casper schließlich zum Lifestyle-Produkt. Womit wir bei Regelbruch Nr. 4 wären …

Regelbruch Nr. 4: Alltagsgegenstand wird zum Statussymbol

Hat es Casper weniger geschafft, die perfekte Matratze für jeden herzustellen, als einem alt-hergebrachten Produkt neuen Sexappeal einzuhauchen?

Welcher Matratzenhersteller versendet schon Snoozeletter, bietet einen Livechat an und fährt mit einem Snapmobile durch die Gegend? Casper. Diese neue Matratzen-Attraktivität hat unter anderem zur Folge, dass sich Promis auf der Plattform Instagram mit ihrer neuen Casper-Matratze zeigen – direkt neben den Posts mit Starbucks-Bechern und Adidas Superstars. Plötzlich werden Kunden zu Fans.

 

Unser Fazit:

Der neue Quälgeist von Schlaraffia & Co steckt noch in den Kinder-Schuhen, macht aber einiges richtig: Klarer Fokus, maximale Kundennähe und den Mut mit den Regeln der Zunft zu brechen.

Außerdem haben die New Yorker Gründer eine erfrischende Markenvision: „Besserer Schlaf für alle“. Solch eine klare wie nutzenstiftende Idee erzeugt Attraktivität.

Schaffen es die Matratzen-Revoluzzer Ihre Markenphilosophie über lange Zeit zu leben, dann haben Sie langfristig das Potenzial zur Superbrand.  Das Rezept hierfür heißt: Sorgfältige Weiterentwicklung aus der eigenen Markenidentität heraus.

Was bedeutet das im Fall von Casper? Casper muss sich, der eigenen Vision folgend, vor neuen Produktentwicklungen vor allem die Visions-Prüffrage stellen: „Verbessert es den Schlaf für alle? Kann diese Frage nicht mit „ja“ beantwortet werden, passt diese Leistung nicht zur Markenidentität.

Dieser Strategie folgend sollten wir in naher Zukunft mit keinem Casper-Sofa und keiner Casper-Hängematte rechnen.

Für Emporkömmlinge wie Casper, genauso wie für etablierte Marken, gilt: Der Fokus auf die eigene Markenidentität geht vor Kreativität und Attraktivität geht vor Bekanntheit. Wir werden sehen, wie viel Schrecken die Matratzengeister aus den Vereinigten Staaten noch verbreiten, wenn die bereits heranrückenden Nachahmer-Produkte die Bühne betreten. Boo!

Veröffentlicht: 06. Dezember 2016 

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