Inspirationsreihe “Die Erfolgsgeheimnisse der Gewinnermarken” / 21. Oktober 2014

Alt. Angestaubt. Absacker – So sah die Ausgangsposition der Marke Jägermeister im Jahr 2000 aus. Heute ist Jägermeister die Nr. 7 der meistgetrunkenen Spirituosen der Welt. Wie hat es das mittelständische Familienunternehmen geschafft zur erfolgreichsten Deutschen Spirituose und zur Weltmarke zu wachsen? Schauen Sie mit uns unter die Oberfläche einer der größten Erfolgsgeschichten deutscher Markenführung.

Die Situation war dramatisch. Die Zielgruppe der häuslich trinkenden Senioren nahm in den 1990er Jahren rasant hab. Jägermeister war klar als Absacker verortet, der hauptsächlich zu Hause getrunken wurde. Gleichzeitig spürten die Verantwortlichen, dass die Marke viele Anker in den Köpfen der Kunden gesetzt hatten. Die kantige grüne Flasche wurde schon damals erkannt.

Der Spirituosenhersteller wagte die strategische Neuausrichtung der Marke:
1. Zielgruppe radikal verjüngen: Nicht mehr nur die Zielgruppe 55+, auch junge Erwachsene sollten sich von Jägermeister angezogen fühlen.
2. Vom häuslichen Gebrauch ins Leben: Nicht nur zuhause, sondern in der Gesellschaft, in Kneipen und Bars, sollte Jägermeister seinen Platz finden.
3. Neue Konsumanlässe schaffen: Jägermeister wollte den Charakter des Absackers nach dem Essen los werden.

 Wie hat Jägermeister diese radikale Neuausrichtung gemeistert?

Jägermeister schaffte die Neuausrichtung vom Altherren-Likör zur Weltmarke über die Konservierung der Jägermeister-Tradition.

Die Stilmerkmale der Marke, die kantige grüne Flasche, das Hirsch-Logo und die Farbe orange wurden nicht angetastet, sondern verstärkt nach Außen getragen. Mit Hilfe dieser starken Marken-Ikonographie wurde Jägermeister auch in der neuen Welt schnell erkannt. In der Werbung sprachen plötzlich Hirsche zu den Konsumenten. Den kantigen und wilden Charakter der Marke griff sogar eine eigene Eventserie, die Rockliga, auf, die jungen Rockmusikern eine Plattform gab. Der einzigartige Geschmack aus 56 Kräutern wurde kein bisschen verändert. So hat die Marke ihren Traditions-Charakter glaubwürdig gestärkt. Marken unterliegen den Strömungen der Zeit und Veränderungen durch langfristige Trends. Aber nur wenn Sie dabei ihrem Kern treu bleiben, bleiben sie glaubwürdig. Denn ohne Glaubwürdigkeit keine Anziehungskraft.

Den größten Mut bewiesen die Markenverantwortlichen jedoch einige Jahre später, während der Internationalisierung der Marke.

Wie viele gute Gründe hätte es gegeben, das altbackene Logo und den unaussprechlichen Namen beim Markteintritt in den amerikanischen Markt über Bord zu werfen?

Heute kommt 40 % des Gesamtumsatzes aus den USA. Der Name „Jägermeister“ hat sich dort zur Kategorie für Kräuterliköre entwickelt und ist längst Kult. Jägermeister zeigt eindrücklich: Die Repositionierung einer Marke kann nur mit einer mutigen Markenstrategie und dem gezielten Nutzen der eigenen Historie gelingen. Die Erfolgsgeschichte des berühmten Kräuterschnaps beweist aber auch: Gewinnermarken wachsen nicht durch Anpassung oder Kreativität! Sie entstehen durch Konsequenz und Durchhaltevermögen, auch gegen Widerstände. Nur dann schaffen sie Vertrauen und geben Sicherheit – die Ur-Funktion einer jeden Marke. Jägermeister ist nach wie vor in Familienbesitz. Denken Sie daran, wenn Sie das nächste Mal Ihr Logo anpassen wollen. Prost!

Lernen Sie in weiteren Fachbeiträgen unserer frischen Inspirationsreihe „Die Erfolgsheimnisse der Gewinnermarken“ wie die stärksten Marken unserer Zeit zu dem geworden sind, was sie heute sind – natürlich und unverwechselbar auf www.spallmachtmarke.de.

Bildquelle: http://newsroom.jaegermeister.de

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