Courbet Diamant

Leuchtendes Beispiel für Nachhaltigkeit oder Greenwashing?

Am Pariser Place Vendôme sind sämtliche französische Traditions-Juweliere und Luxusmarken versammelt. Hier hat sich auch, ganz selbstbewusst, Courbet niedergelassen. Der Schmuckhersteller mit dem Namen, bei dem für jeden Pariser eine Note von Umbruch und Radikalität mitschwingt, strebt genau das an: „The time has come for a change“, proklamieren die Unternehmensgründer Marie-Ann Wachtmeister und Manuel Mallen auf ihrer Website und fordert so die traditionellen Schmuckhersteller heraus.

Das französische Unternehmen Courbet wird von den Medien als Leuchtturm für nachhaltiges Handeln gefeiert. Aber entspricht dies auch den ökologischen Tatsachen? Oder handelt es sich nur um eine Marketingfloskel?

Mit der Wahl des Namens Courbet setzen die Schwedin Marie-Ann Wachtmeister und der Franzose Manuel Mallen ein Zeichen. Denn der französische Maler Courbet sorgte im 19. Jahrhundert nicht nur durch seine realistischen und provokanten Bilder für Aufsehen. Er wird auch dafür verantwortlich gemacht, 1871 Napoleons Siegessäule am Place Vendôme abgebaut zu haben. Sein Traum war es, dort stattdessen ein Friedensmonument zu errichten und die Rue de Pax somit nicht mehr in ein Symbol des Krieges auf dem Place Vendôme münden zu lassen. Genauso revolutionär und provokant der Maler damals wirkte, möchte auch der Schmuckhersteller Courbet wirken.

Klimawandel, Hungersnöte, Flüchtlingsströme, Plastikmüll in den Meeren und zuletzt der brennende Amazonas sind in den Medien präsenter denn je. Die Themen haben längst nicht mehr nur die Aufmerksamkeit der Schüler rund um Fridays for Future. Auch die breite Masse hat die Brisanz erkannt und in Unternehmen wächst das Bewusstsein für diese globalen Herausforderungen. „Nachhaltigkeit“ ist heute in aller Munde.

Die Vereinten Nationen haben 2015 mit der Agenda 2030 siebzehn Ziele formuliert, welche eine nachhaltige Entwicklung sichern sollen. Darin werden gleichermaßen die drei Dimensionen Soziales, Umwelt und Wirtschaft angesprochen, und zwar im Sinne sozialer Gerechtigkeit, ökologischer Tragfähigkeit und wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit.

Nachhaltigkeit wird als Entwicklung definiert, welche die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können. Für Unternehmen bedeutet das z. B., negative Auswirkungen der Produktion auf Arbeiter und Umwelt möglichst zu vermeiden und zwar nicht nur im eigenen Unternehmen, sondern in der gesamten Lieferkette.

Luxus und Nachhaltigkeit – ein Widerspruch?

Der französische Schmuckhersteller Courbet beschreibt sich auf seiner Website als „Juwelier mit Werten“ und stellt fest: „Without goodness, beauty means nothing“. Das im Jahr 2018 gegründete Unternehmen will eine ethische und nachhaltige Alternative zur traditionellen Schmuckherstellung bieten: Die verarbeiteten Edelsteine werden ausschließlich künstlich, also im Labor hergestellt, das verwendete Gold wurde recycelt und stammt aus Elektrogeräten.

Doch wie nachhaltig, ethisch korrekt und fair ist dies tatsächlich? Wie gut ist Courbet wirklich?

Für die Gewinnung natürlicher Diamanten und Gold müssen die Menschen vor Ort in den Minen zum Teil menschenunwürdige Arbeitsbedingungen erleiden („Blutdiamanten“). Außerdem wird durch Rodung, hohen Wasserverbrauch und Schadstoffproduktion auch die Umwelt massiv in Mitleidenschaft gezogen.

Gemessen an den Aspekten soziale Gerechtigkeit und ökologische Tragfähigkeit, welche die UN in ihrer Agenda 2030 als Kriterien für Nachhaltigkeit nennt, agiert Courbet also auf den ersten Blick durchaus nachhaltig.

Die Kehrseiten der Medaille: Die künstliche Herstellung von Diamanten bedeutet für Millionen in der Diamantenindustrie beschäftigte Menschen in Afrika das Wegbrechen ihrer Einkommensquelle. Und der Ressourcenschonung in Afrika steht der Energiebedarf durch die Produktion von Steinen im Labor gegenüber. Es ist nach wie vor umstritten, ob letztlich künstliche oder natürliche Diamanten eine bessere Ökobilanz aufweisen.

Die Marke Courbet – Leuchtturm für nachhaltiges Handeln?

Mit seiner Mission, eine ethische und nachhaltige Alternative zu traditionellem Schmuck zu bieten, nimmt Courbet dennoch eine Vorreiterstellung ein. Schließlich wagt man es als einer der ersten Schmuckhersteller auf dem europäischen Markt, groß zu denken. Dieser Anspruch ist für die heutige Gesellschaft von höchster Relevanz und äußerst attraktiv. Die auf Nachhaltigkeit fokussierte Mission offenbart sich nicht nur in der Herstellung künstlicher Diamanten. Man verwendet zudem recyceltes Leder für die Verpackung der Produkte und forscht weiterhin an effizienteren Herstellungsmethoden. Darüber hinaus unterstützt der Schmuckhersteller eine Vielzahl gemeinnütziger Projekte: Mit 15 % des Erlöses bestimmter Schmuckstücke werden ausgewiesene Maßnahmen unterstützt, z. B. Kinderhilfsprogramme, Vorsorgeprogramme oder Aktionen zum Schutz von Wildtieren oder Korallenriffen. Die Mission wurde nicht nur für Marketingzwecke erdacht. Die Werte werden aktiv und vielfältig gelebt. Sie sind tief in der Identität Courbets verankert. Dadurch wird die Mission glaubhaft.

Fazit

Courbet übernimmt Verantwortung und ist Wegbereiter auf dem Gebiet nachhaltiger Schmuckherstellung. Hier besteht das Potential, eine ganze Branche zu revolutionieren. In dieser Rolle des Pioniers verzeihen die Kunden einer Marke Unvollkommenheit leichter, denn bekanntlich ist aller Anfang schwer und bringt oft Fehler mit sich. Folglich könnte es sich Courbet also durchaus erlauben, transparenter mit den eigenen Unzulänglichkeiten umzugehen. Das ist authentisch und erzeugt Glaubwürdigkeit. Hohle Aussagen wie „create and preserve the magic of the universe“ dagegen beeinträchtigen allenfalls die Glaubwürdigkeit.

Wir kaufen Courbet das Anliegen ab. Die Werte werden nicht nur gepredigt, sondern auch umgesetzt. Wenn dies so bleibt, kann Courbet seine Glaubhaftigkeit bewahren und sich in der Schmuckbranche langfristig etablieren. Und hat so am Ende vielleicht die Macht, andere Unternehmen positiv zu beeinflussen und auch über die Grenzen Frankreichs hinaus ein Leuchtturm für nachhaltiges Handeln zu werden.