“Die Reise zur starken Marke begann bei mir selbst.”

Zur Person

Heiko Lemke ist Vertriebsleiter der Wütschner Fahrzeugteile GmbH. Wütschner vertreibt – mit heute 450 Mitarbeitern an 21 Standorten in Deutschland – KFZ Ersatzteile und Zubehör an Werkstätten. Der gebürtige Niedersachse Lemke wuchs in der Lüneburger Heide auf. Heute ist er verheiratet und hat drei Kinder. Auf seinem beruflichen Weg hat ihn immer sein Gestaltungswille angetrieben. Nur so ist es auch zu erklären, dass er seine Lieblingsstadt Hamburg verließ, um eine neue berufliche Herausforderung im nordbayerischen Schweinfurt zu suchen. Dort war er vor seiner aktuellen Aufgabe für den Automobilzulieferer ZF Friedrichhafen AG tätig, unter anderem für die Entwicklung von Werkstattkonzepten.

Das Interview mit Heiko Lemke führte Christopher Spall.

Spall: Herr Lemke, Sie haben den Prozess zur Entwicklung Ihrer Persönlichkeitsmarke in einem Coaching in mehreren Schritten durchlaufen. Warum haben Sie sich im Jahr 2014 entschieden, diesen Weg anzutreten?

Lemke: Ich hatte zu Beginn des Jahres 2014 die Stelle als Vertriebsleiter angetreten. Das bedeutete für mich deutlich mehr Verantwortung. Davor hatte ich bereits Führungsseminare besucht. Aber ein Großteil dessen, was ich dort gelernt habe, war nicht richtig greifbar. Vieles war einfach theoretisch und ließ sich nur teilweise glaubwürdig umsetzen. Ich wollte wissen, wie ich authentisch und greifbar in der Praxis führen kann.

Spall: Welche Erwartungen hatten Sie, als Sie sich damals darauf eingelassen haben?

Lemke: Um ehrlich zu sein, wusste ich nicht, was auf mich zukommt. Ich hatte jedenfalls erwartet, Tools an die Hand zu bekommen, um Personal führen zu können und mich im neuen Unternehmen zu etablieren. Es ging mir auch um den Aufbau von Vertrauen bei meinen Mitarbeitern und meinen Kunden. Die Reise zur starken Marke begann also bei mir selbst. Im Nachhinein klingt das geradezu logisch.

Spall: Und wie hat es sich angefühlt, als es dann wirklich losging?

Lemke: Als es losging, war ich ziemlich überrascht. Ich hatte erwartet, dass wir gleich in Inhalte einsteigen. Damit meine ich klassische Rollenbilder und wie man diese als Persönlichkeitsmarke einsetzt. Stattdessen sind wir in die Analyse meiner Persönlichkeit eingestiegen. Die Reise zur starken Marke begann also bei mir selbst. Im Nachhinein klingt das geradezu logisch. Damals hatte ich allerdings noch nicht dieses Verständnis.

Ich muss nicht mehr überlegen, was die anderen von mir erwarten.

Spall: Nun gibt es wahrlich einfachere, oberflächlichere, Wege, sich dem Thema Persönlichkeitsmarke zu nähern. Welchen Nutzen hatte diese Tiefenanalyse rückblickend für Sie?

Lemke: Einige Werte waren mir bewusst, andere nicht. Der Hauptnutzen war für mich aber ein anderer: Niemals hatte ich bewusst mit meinen Werten gearbeitet. Welchen Wert will ich verstärken? Welchen will ich etwas dosiert einsetzen? In welchen Situationen und bei welchen Menschen ist welcher Wert besonders wichtig? Dieser Schritt war für mich sehr wichtig. Bis dahin hatte ich meine unverwechselbaren Stärken nur partiell und sehr intuitiv genutzt. Jetzt setze ich sie systematisch ein. Eigentlich haben wir nichts entwickelt, sondern nur etwas an die Oberfläche geholt, was schon da war.

Spall: Welche Bedeutung hat Ihre Markenmission „Wertschätzung erzeugen für all das, was jeder Mitarbeiter tagtäglich leistet“ für Sie als Vertriebsleiter?

Lemke: Meine Markenmission ist für mich ein Weg. Ich versuche diesen Weg im Tagesgeschäft zu verfolgen, damit ich meine Ziele nicht aus den Augen verliere. Worum geht’s eigentlich? Wenn ich meiner Mission folge, dann fallen andere Dinge hinten herunter. Niemals aber das Thema Wertschätzung. Denn das ist mein Auftrag. So bleibe ich fokussiert. Ich bin einfach viel weiter, als ich es vor vier Jahren war.

Spall: Auf Basis Ihrer Markenmission haben Sie ein Programm 2020 entwickelt. Was verbirgt sich dahinter?

Lemke: Das Programm fasst für mich alle Aktionen zusammen, auf die es in der Umsetzung meiner Markenidentität ankommt. Was will ich bewegen, auf der menschlichen Ebene, aber auch in der Marktbearbeitung auf der Kundenseite? Was ist intern und extern zu machen? Hinter der Markenmission stehen drei große Ziele. Und jedes dieser großen Ziele haben wir mit konkreten Maßnahmen unterlegt. Das ist mein Fahrplan, der mir Orientierung gibt.

Das Markencoaching war ein großer Schritt zu mir selbst. Das spüre ich jeden Tag in meiner Arbeit.

Spall: Sie arbeiten nun seit einiger Zeit mit Ihrer Personal-Branding-Strategie. Wie hat sich die Arbeit mit den Markenwerkzeugen für Sie persönlich ausgewirkt?

Lemke: Mir hat am meisten geholfen, meine Werte bewusst fassen zu können. Und damit im Alltag umzugehen. Ein Vorher und Nachher gibt es in meiner Betrachtung nicht. Denn ich bin weiterhin in einem Entwicklungsprozess. Insofern gibt es kein Nachher. Mir fällt es persönlich schwer, die Veränderung an mir selbst festzustellen. Eines ist mir aber unumstritten klar: Ich bin viel gefestigter. Ich kann bereits auf Erfahrungen im Einsatz mit den Markenbausteinen zurückgreifen und diese so optimiert einsetzen. Ich bin einfach viel weiter, als ich es vor vier Jahren war. Das Markencoaching war ein großer Schritt zu mir selbst. Das spüre ich jeden Tag in meiner Arbeit.

Spall: Welchen Rat würden Sie anderen Führungskräften geben, die ihre eigene Identität noch stärker zum Aufbau eines guten Rufes nutzen wollen?

Lemke: Schau auf dich selbst. Und nutze das, was dich ausmacht. So wirkt man authentisch. So kann man sich von augenscheinlich vergleichbaren Personen unterscheiden. Darüber hinaus würde ich empfehlen, die klassischen Führungs- und Stilratgeber zur Seite zu legen. Hört auf, irgendwelche Standards oder andere Personen nachzuahmen. Arbeitet stattdessen an eurer eigenen Identität und eurem Bewusstsein als Marke. Das ist jedenfalls für mich der authentischere und deshalb bessere Weg.

Spall: Herr Lemke, herzlichen Dank für dieses Gespräch.

Das komplette Interview mit tieferen Einblicken in den Entwicklungsprozess finden Sie im Buch “Personal Branding – Was Menschen zu starken Marken macht” von Christopher Spall. Dort berichtet Heiko Lemke u. a. auch, wie er seine Persönlichkeitsmarke heute im Kontakt mit Kunden und bei der Auswahl neuer Mitarbeiter nutzt.

Heiko Lemke