„Mia san mia“ bedeutet Überheblichkeit und Intoleranz – FC Bayern-DNA erfordert neuen Leitspruch

14. Aug 2023 | AZ München, Presse-Publikation

FC Bayern München_Mia san mia

Der Inhalt, den der deutsche Rekordmeister mit seinem Slogan „Mia san mia“ transportiert, ist nicht mehr zeitgemäß. Im Interview mit der AZ München erklärt Christopher Spall, warum sich der Traditionsverein dringend auf seine Kernwerte besinnen sollte.

Was der Leitspruch vermitteln sollte, ist nicht Überheblichkeit oder Intoleranz, sondern das, was den FC Bayern immer im Kern ausgemacht hat.

Christopher Spall

Das Interview mit Christopher Spall führte Kilian Kreitmair.

Immer wieder kritisieren ehemalige Spieler des FC Bayern, dass dem deutschen Rekordmeister das „Mia san mia“-Gen abhandengekommen sei. 

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FC Bayern: Kane soll im Sturm wieder für „Mia san mia“-Mentalität sorgen

Direkt nach der Ankunft bekam der Stürmer des FC Bayern sein neues Arbeitsgewand überreicht. Darauf in fetten Lettern: „Mia san mia“. Ab sofort gilt es für Kane, diesen Slogan des Klubs zu verkörpern und die Angriffsriege des Rekordmeisters mit seinen Torjägerqualitäten wieder zurück zu alter Stärke zu führen. 

Denn in den vergangenen Monaten kritisierten sowohl die Fans des FC Bayern als auch ehemalige Spieler wie Bastian Schweinsteiger, dass die aktuellen Bayern-Spieler und die Verantwortlichen den Slogan nicht mehr so verkörpern, wie es nötig ist. „Man muss es leben. Man muss nicht darüber sprechen, man muss es leben“, sagte der ehemalige Mittelfeldmotor der Münchner. 

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Die Diskussion um das ‚Mia san mia‘ ist eigentlich eine Diskussion um die FCB-DNA als Ganzes und die Frage, ob der FC Bayern seinen Kern verloren hat.

Christopher Spall

Woher kommt der unverwechselbare und so einprägsame Slogan des FC Bayern?

Seinen Ursprung hat das „Mia san mia“ nicht beim deutschen Rekordmeister, sondern in Österreich. Schon zu Zeiten von Kaiser Franz Joseph wurde der Spruch von Soldaten verwendet, um ihrem Überlegenheitsgefühl Ausdruck zu verleihen. Seinen Weg zum deutschen Rekordmeister fand der Slogan erst in den 80ern.

Die damaligen Akteure um Hansi Pflügler, Hansi Dorfner und Ludwig Kögl grölten nach Erfolgen grammatikalisch nicht ganz korrekt: „Mia san mia, mia san mia, mir san stärker wie die Stier.“ Damit war das „Mia san mia“ beim FC Bayern geboren und wurde von Generation zu Generation weitergegeben.

Welche FC Bayern-Spieler verkörperten das "Mia san mia"?

Als Symbolbilder für den Slogan entwickelten sich in den kommenden Jahren vor allem Oliver Kahn und Stefan Effenberg. Unvergessen bleibt dabei das Champions League Finale 2001 gegen den FC Valencia. In einer legendären Nacht im Mailänder Guiseppe-Meazza-Stadion brachte Effenberg den FC Bayern mit seinem Willenstreffer zum 1:1 zurück ins Spiel – und ins Elfmeterschießen.

Dort avancierte dann das andere bayerische Mentalitätsmonster, Kahn, zum Helden der Münchner. Der „Titan“ hielt drei Elfmeter gegen die Spanier und sicherte dem Klub damit zum vierten Mal in der Vereinsgeschichte den Henkelpott.

Bis das „Mia san mia“ aber zum offiziellen Slogan des FC Bayern wurde, dauerte es noch bis ins Jahr 2008. 

Von wem stammte die Idee zum offiziellen Slogan?

Die Idee dafür kam damals ausgerechnet von Marc Kosicke, dem  Berater von Jürgen Klopp.

Zuvor hatte sich Uli Hoeneß auf einem Flug zu einer FIFA-Veranstaltung bei Kosicke beschwert, dass zahlreiche Neuzugänge gar nicht wissen würden, was es heißt, für den Verein aufzulaufen. Das veranlasste den Berater eine Arbeitsgruppe zu gründen, die sich vom Fanshop-Mitarbeiter bis zum Jugendakademieleiter zusammensetzte.

Innerhalb von vier Wochen erarbeiteten sie zusammen Werte wie Heimatverbundenheit oder Selbstbewusstsein, für die der Verein bis heute noch steht. Dabei wusste Kosicke schon von Anfang an, dass sich das „Mia san mia“ zum neuen Slogan des deutschen Rekordmeisters entwickeln würde.

So sagte der gebürtige Bremer später in einem Interview mit dem „Kicker“: „Der Name stand von Anfang an fest, weil ich es als kleiner Junge gehasst habe, wenn die Bayern mit ihrer ‚Mia san mia‘-Attitüde kamen und in der 90. Minute noch gewonnen haben.“

Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge waren von dem Slogan begeistert. Fortan verkörperte der FC Bayern das „Mia san mia“ und selbst Trainergrößen wie Louis van Gaal verinnerlichten das Motto des Vereins. Doch Jahre später scheint es, als würde der Slogan immer mehr ins Rosten kommen und vornehmlich Kritik ernten.

Mia san mia‘ bedeutet auch Überheblichkeit und Intoleranz. Ich glaube, dass es sich keine Marke der Welt heute noch erlauben kann, Ignoranz zu kommunizieren und sich für etwas Besseres zu halten. Es kommt heute darauf an, auf Augenhöhe zu kommunizieren und die Leute mitzunehmen.

Christopher Spall

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Der Inhalt, den der FC Bayern mit dem Slogan transportiert, ist  schlicht nicht mehr zeitgemäß. 

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Was der Leitspruch vermitteln sollte, ist nicht Überheblichkeit oder Intoleranz, sondern das, was den FC Bayern immer im Kern ausgemacht hat.

Christopher Spall

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Zu diesem Kern gehört, neben den familiären Werten, die der jetzige Ehrenpräsident Uli Hoeneß in seiner Zeit als Manager und Präsident geprägt hat: 

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Leistung vor allem auch in Drucksituationen zu bringen und die Überzeugungskraft bei Rückschlägen nicht zu verlieren. Das sind die Eckpfeiler der Bayern-DNA. Mit dieser Vereins-DNA sollte sich jeder Spieler und jeder Fan eigentlich identifizieren.

Christopher Spall

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Jetzt ist es wichtig, die Kernwerte, die den FC Bayern zu einem unverwechselbaren Verein gemacht haben, wieder im Alltag zu leben und unter Beweis zu stellen.

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Ich schlage dem FC Bayern vor, diesen Kern in einem Leitspruch zu verdichten und glaube, das wäre eine stärkere Identifikationsplattform als das ‚Mia san mia‘.

Christopher Spall

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Das ist sicher eine der Aufgaben, welche die Bosse um den Vorstandsvorsitzenden Jan-Christian Dreesen angehen müssen/sollen. Ob es ihnen gelingt, dass „Mia san mia“ mit (neuem) Leben zu füllen – und dann das Motto vielleicht noch durch etwas zu ersetzen, was zeitgemäßer ist?

Bildquelle: Foto von jorono auf Pixabay

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