Vom Politiker zur starken Marke: Wolfgang Bosbach sagt, worauf es ankommt

16. Sep 2021

Aus der grauen Masse der Politiker sticht eine Persönlichkeit schon immer heraus: Wolfgang Bosbach gilt als einer der profiliertesten und beliebtesten deutschen Politiker. Er wurde 1952 in Bergisch Gladbach geboren und trat 1972 der CDU bei. Nach der mittleren Reife, einer Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann und der Position als Leiter eines Supermarktes machte er sein Abitur auf dem zweiten Bildungsweg und studierte mit dem Abschluss des 2. Staatsexamens Rechtswissenschaften an der Universität zu Köln. Seit 1991 ist er als Rechtsanwalt in der Kanzlei Winter Rechtsanwälte in Bergisch-Gladbach tätig. Von 1994 bis 2013 wurde er im Rheinisch-Bergischen Kreis ohne Unterbrechung direkt in den Deutschen Bundestag gewählt, wo er zahlreiche Ämter bekleidete. Bei der Bundestagswahl 2017 trat er in seinem Wahlkreis nicht mehr an.

Im Interview mit dem CDU-Mann wird deutlich, was eine starke Persönlichkeitsmarke ausmacht. Das Gespräch liefert wertvolle Impulse für alle Entwicklungssucher – ob politisch aktiv oder nicht, die es besser machen wollen.

Starke Politikermarke Wolfgang Bosbach

Die Leute wollen nicht nur einen todschicken Zug sehen. Sie wollen auch wissen, in welche Richtung er fährt. Sonst steigen sie nicht ein.

Wolfgang Bosbach

Herr Bosbach, obwohl Sie nie ein Ministeramt bekleideten, gelten Sie über Parteigrenzen hinweg als einer der profiliertesten und beliebtesten deutschen Politiker. Worauf führen Sie diesen persönlichen Erfolg zurück?

Auf eine jahrzehntelange politische Arbeit in ganz verschiedenen politischen Ämtern. Erst auf kommunaler Ebene, dann die letzten 23 Jahre auf Bundesebene. Ich war ja auch einige Zeit stellvertretender Landesvorsitzender der CDU Nordrhein-Westfalen. Und in diesen fast fünf Jahrzehnten haben die Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit bekommen, sich ein Bild zu machen von dem Politiker, aber auch von dem Menschen Wolfgang Bosbach. Und die häufigen Medienauftritte haben sicherlich dazu beigetragen, dass ich im Laufe der Jahre, auch ohne Staatsamt, bekannt geworden bin.

Transparenz

Was ist für die Außenwirkung eines Politikers besonders wichtig? Wie kommt man ‚gut rüber‘?

Also, zunächst habe ich die in manchen Augen vielleicht altertümliche Auffassung, dass es schwierig ist, einen Politiker zu beraten, wie er sich in der Öffentlichkeit geben und verhalten sollte, weil ich der festen Überzeugung bin, dass die Menschen ein untrügliches Gespür dafür haben, ob jemand authentisch ist oder ob jemand versucht, eine bestimmte Rolle zu spielen. Entscheidend ist die Kombination von Kompetenz und Sprache. Auch nach 46 Jahren politischer Arbeit gilt für mich, jeden Tag: lesen, lesen, lesen – lernen, lernen, lernen, also dazulernen, auch die Bereitschaft mitzubringen, sich permanent weiterzubilden. Und vielleicht auch, sich zu korrigieren, wenn man einmal in der Vergangenheit Fehleinschätzungen hatte. Dadurch erwirbt man sich eine Sachkompetenz. Die Kompetenz alleine hilft dir aber nicht, wenn du nicht in der Lage bist, deine politische Überzeugung in einer Sprache zu vermitteln, mit der man verstanden wird. Politiker neigen oft dazu, das Publikum zu belehren, anstatt zu erklären, warum sie welche Haltung einnehmen.

Authentizität

Wie fest definierbar und durchhaltbar ist die eigene Vision als Politiker in einem Geschäft, das von Deals und Kompromissen geprägt ist?

Da stellt sich im Laufe der Jahrzehnte Ernüchterung ein. Es gibt ja den klassischen Satz: „Politik ist das Bohren dicker Bretter“. Ich füge hinzu: Da musste ich mich im Laufe meines politischen Lebens durch ganze Wälder durcharbeiten. Wenn man sein politisches Ziel nicht oder nicht auf Anhieb erreicht, dann sollte man sich im Wege eines Kompromisses wenigstens darum bemühen, dem Ziel ein Stück näher zu kommen. Unter keinen Umständen sollte man in die entgegengesetzte Richtung laufen.

Glaubwürdigkeit

Zwischen 2012 und 2016 waren Sie laut ihrem Wikipedia-Eintrag der deutsche Politiker, der an den meisten Talkshows teilnahm. Wie bereiteten Sie sich für solche Polit-Talks vor? Haben Sie das trainiert oder ist das einfach irgendetwas, das Ihnen gegeben ist?

Vielleicht hat mir der liebe Gott schon das Talent in die Wiege gelegt, einen Text so zu formulieren, dass man auch tatsächlich verstanden wird. Dass die Menschen wissen, was gemeint ist. Ich kennen viele Politikerkollegen, die formulieren derart kompliziert, dass man zwar glaubt, Zeuge einer Offenbarung zu werden. Aber am Ende ist es völlig offen, welche Haltung der Politiker jetzt einnimmt. […] Vorbereitung in dem Sinne, dass man, fast wie ein Schauspieler, eine bestimmte Rolle lernt, die man dann in einer Talkshow darstellt, geht schief. Und die Vorbereitung war immer eine sachliche Vorbereitung, also konzentriert auf Zahlen, Daten und Fakten, je nach Thema. Und dass man in einer Talkshow sich bemüht, klar zum Ausdruck zu bringen, warum man welche bestimmte politische Haltung einnimmt. Also nicht nur zu erklären, dass man dafür oder dagegen ist oder was man vorhat, sondern auch, was die tragenden Beweggründe sind, was die Sachargumente sind, warum man eine bestimmte Haltung einnimmt.

Klarheit

Sie gelten als Politiker der klaren Worte und waren auch deshalb für Ihre Parteivorsitzenden nicht immer ein bequemer Abgeordneter. Wie meistert man in einer Position wie der Ihren den Spagat zwischen der Parteiräson und den eigenen Überzeugungen, wenn es diesbezüglich einmal Unterschiede geben sollte?

Ich bin in der glücklichen Lage, sagen zu können, ich vertrete nur Positionen der CDU oder solche, die früher einmal Positionen der CDU waren. Das Einzige, was man mir wirklich vorwerfen könnte, ist, dass ich nicht schnell genug in der Lage bin, meine Meinung zu ändern. Wenn es einmal zu kontroversen Debatten kam, in Fragen der Euro- oder der Flüchtlingspolitik, konnte ich immer sagen, das war früher einmal die Haltung der CDU in diesen Fragen. Die halte ich aus folgenden Überlegungen auch nach wie vor für richtig. Das hat Angela Merkel eigentlich immer akzeptiert, auch wenn wir uns in diesen Punkten nicht einig geworden sind. Und – ich glaube, das weiß sie auch – ich habe sie nie belogen. Ich habe sie nie betrogen. Ich habe aus meiner Meinung nie ein Geheimnis gemacht. Ich habe geheim nie anders abgestimmt als öffentlich. Auf mich konnte sie sich verlassen. Also bei mir wusste sie immer, wo sie dran war [lacht]. Das ich da als Pflegefall gegolten habe, ja das glaube ich sofort [lacht], oder als Problemfall oder als Quergeist, wie der Spiegel geschrieben hat. Das glaube ich sofort. Aber Angela Merkel würde nie sagen, der hat uns hintergangen.

Verlässlichkeit

Ist eine „klare Kante“ trainierbar oder bekommt man sie in die Wiege gelegt?

Ich glaube, da trifft Politik auf Persönlichkeit. Ich könnte nicht gut schlafen, wenn ich mich nicht klar ausdrücken könnte. Und diesen tausendfachen Schriftverkehr, den ich auch heute noch mit Bürgerinnen und Bürgern habe, den könnte ich so gar nicht führen, wenn ich mir in meiner Haltung nicht sicher wäre. Nicht „sicher“ im Sinne von unfehlbar, auch nicht „sicher“ im Sinne von „Nur meine Meinung ist die, die ich gelten lasse“, sondern „sicher“ in dem Sinne, dass ich mir wirklich nach einem gründlichen Abwägungsprozess eine fundierte Meinung gebildet habe, die ich aus Überzeugung vertrete, nicht aus Zufall.

Haltung

Herr Bosbach, herzlichen Dank für dieses sehr interessante Gespräch.

Das Interview mit Wolfgang Bosbach führte Prof. Holger J. Schmidt.

Starke Persönlichkeitsmarke: Worauf kommt es an?

Identitätsentwicklung als Schlüssel

Die starke Personen- oder Persönlichkeitsmarke ist der zugespitzte Ausdruck dessen, was den Menschen unverwechselbar macht. Die Entwicklung der eigenen unverwechselbaren Identität macht diese Unverwechselbarkeit greifbar. Nur wenn wir unsere eigene Identität kennen, können wir sie auch nach außen tragen anderen erklären.

Unser Prozess zur Identitätsentwicklung bei Personen basiert auf einem einzigartigen Abgleich von Selbst- und Fremdbild. So vermeiden wir, dass wir die Identität als Wunschbild aufbauen. Starke Persönlichkeitsmarken basieren auf einem starken Fremdbild. Damit werden sie nachhaltig glaubwürdig und als authentisch wahrgenommen.

Der Nutzen starker Persönlichkeitsmarken

Ein so geschliffenes Profil führt dazu, dass man selbstsicherer auftritt, fokussierter agiert und in der Konsequenz erfolgreicher ist.  Eine starke Persönlichkeitsmarke entwickelt sich aus ihrem inneren Kompass heraus. Sie ahmt nicht nach, sondern entfaltet die eigne Unverwechselbarkeit und hat Vorbildcharakter.

Die Identitätsentwicklung legt den eigenen inneren Antrieb offen und macht sichtbar, wo ich einen Unterschied machen kann. Und sie gibt Antwort auf die Frage, was ich im Leben erreichen und hinterlassen will.

Starke Persönlichkeitsmarken transportieren immer Transparenz, Authentizität, Glaubwürdigkeit, Klarheit, Verlässlichkeit und Haltung. Die eigene Identität zu entwickeln und entdecken und damit zur Persönlichkeitsmarke (Personal Brand) zu werden, ist wertvoll für jeden, der mit seiner Persönlichkeit den Unterschied machen kann und will – egal ob Politiker, Berater, Verkäufer oder Unternehmer.

Die Entwicklung der eigenen unverwechselbaren Identität zu einem klaren Profil ist der Schlüssel für alle Entwicklungssucher, die es besser machen wollen.

Das ausführliche Interview mit Wolfgang Bosbach finden Sie im Buch „Personal Branding – Was Menschen zu starken Marken macht“ von Christopher Spall.

Bildquelle: Sven Teschke/WikiMedia Commons

Tiefere Einblicke in das Buch „Personal Branding“

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Wir engagieren uns für die Peak Performer Stiftung zur Förderung der Spitzenleister von morgen. In den Kids Camps wird Kindern und Jugendlichen die Freude am Leisten vermittelt – mit Spiel, Spaß und echten Vorbildern. Christopher Spall unterstützt die Stiftung aktiv als Geschäftsführer.

Ihr Weg zur unverwechselbaren Marke beginnt hier

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