CostaRica

Costa Rica eilt der Ruf der grünen Destination voraus. Unsere vier Geschichten nehmen Sie mit in das mittelamerikanische Land.

Dort ist zwar längst nicht alles Gold, was glänzt. Aber Gold wert sind die Erkenntnisse, die wir gewonnen haben: Worauf kommt es wirklich an bei dem Bestreben, ein nachhaltiges Image aufzubauen?

An der Karibikküste Costa Ricas liegt der auch „Reggaetown“ genannten Ort Puerto Viejo. Hier tauchen immer wieder wilde Tiere auf. Denn an diesem Küstenabschnitt reicht der Regenwald bis an den Strand. Genau hier, direkt am angrenzenden Regenwald, liegt der Koki Beach mit dem gleichnamigen Restaurant.

KokiBeach

Das Ungewöhnliche daran: der Beach Club wurde einst um zwei Mandelbäume herum gebaut, weil diese einen putzigen Bewohner beheimaten. Anstatt den Lebensraum zu zerstören und die Bäume einfach zu fällen, nahm man Rücksicht auf das seit über zehn Jahren in den Bäumen lebende Faultier! Und dem gemütlichen Zeitgenossen scheint seine neue Umgebung gut zu gefalllen: jährlich gibt es Nachwuchs und regelmäßig geschieht Erstaunliches:

Immer wenn es regnet (und immer, wenn es sein Geschäft erledigen muss), klettert das Faultier samt Nachwuchs an seinem Mandelbaum hinunter – und schaut bei den Gästen vorbei! Das sorgt natürlich für reichlich Aufregung. Welches Restaurant sonst kann schon ein wildlebendes Faultier als „Übermieter“ vorweisen!?

Faultier

Das Beispiel zeigt, wie ökologisches Engagement dazu führen kann, dass die Natur uns dies sprichwörtlich – und im positiven Sinn – zurückzahlt: Das Faultier steigert die Attraktivität des Restaurants und zieht so mehr Gäste an. Nicht nur der Erste-Klasse-Service und das hervorragende Essen prägen die Reputation des Beach Clubs. Auch der Besuch des Faultiers sorgt für Abstand zur Konkurrenz.

An dieser Stelle ein Hinweis an alle Skeptiker und Verschwörungstheoretiker: das Tier wird NICHT gefüttert. Das Faultier frisst nur Blätter, vor allem kleine und vorwiegend vom Mandelbaum. Selbst Früchte lehnt es ab. www.kokibeach.blogspot.com

Erkenntnis Nr. 1:

Für eine nachhaltige Marke braucht es zuallererst nachhaltiges Handeln. Erst dann kann das Renommee der Nachhaltigkeit entstehen.
Oder: Wie man in den Regenwald hineinruft, so schallt es heraus.

Costa Rica ist ein besonderes Land. Schon vor über 70 Jahren schaffte die Regierung die Armee ab. Ein mutiger Schritt. Investiert wird seitdem hauptsächlich in Soziales, Bildung und: die Umwelt. So konnte die Natur hier weitestgehend erhalten bleiben bzw. wiederbelebt werden – während der Regenwald in anderen Ländern wirtschaftlichen Interessen dauerhaft zum Opfer fiel.

Costa Rica hat mit der Abschaffung des Militärs ein starkes Aufbruchssignal gesetzt. Den staatlichen Impulsen folgten ebenfalls viele private Initiativen, teilweise auch aus dem Ausland. Heute steht mehr als ein Viertel der Landesfläche Costa Ricas unter Naturschutz.

Das mittelamerikanische Land, das nicht größer als Bayern ist, gilt heute als begehrtes Ökotourismus-Ziel. Bewusste und naturverbundene Urlauber aus aller Welt kommen, um echte Naturerlebnisse zu erfahren – von Regenwald bis Vulkanlandschaften.

In vielerlei Hinsicht ist das sympathische Land nicht mit Mitteleuropa vergleichbar. Dort deckt alleine die Wasserkraft des Arenal-Sees zwei Drittel des Energieverbrauchs des Landes ab. Unterm Strich stammen im Ökoparadies Costa Rica heute bereits 98 % des Stroms aus erneuerbaren Energien. In einer Industrienation wie Deutschland noch undenkbar.

Dennoch: was können wir daraus lernen?

Erkenntnis Nr. 2:

Nachhaltigkeit muss – teilweise – „von oben“ verordnet werden. In einem Land. In einem Unternehmen. In einer Familie. Freilich sollten alle beteiligt werden. Allerdings kann die beherzte Ansage eines Entscheidungsträgers ein starkes Signal sein!

Der Feldweg wird immer schmaler. Schließlich endet er – in einem Fluss. Das Navi signalisiert: „Ziel erreicht“. Hier sollte sie stehen, die „Chachagua Rainforest Ecolodge“. Chachagua ist der Name des nächstgelegenen Dorfes. Und Rainforest ist die Bühne für alles, was hier im bewaldeten Costa Rica passiert. Nachdem der Fluss überquert ist, weist ein paar Meter weiter ein Schild zum Eingang der Unterkunft: Blockhäuser, mitten in den Dschungel gesetzt. Zwischen den Lodges wurde Rasen angesät.

Diego

Als Diego, der heutige Chef-Gärtner, das Gelände zum ersten Mal sah, fragte ihn der Inhaber, wie er die Anlage finde. „Schrecklich“, lautete Diegos Antwort. Der verdutzte Eigentümer wollte wissen, was er denn daran auszusetzen habe. Diego erklärte: „Wir sind hier im Regenwald. Rasen hat im Regenwald nichts verloren. Wenn wir den Menschen wirklich den Regenwald näherbringen wollen, dann sollten wir keinen Rasen haben.“ Der Eigentümer dachte nach. Dann machte er Diego zum Chef-Gestalter der Lodge. Einige Jahre später führt Diego Naturinteressierte durch das Areal, das auch einen Wasserfall und einige Wanderwege durch den Regenwald umfasst. Zwischen den Lodges wachsen nun Bäume und kleinere Bäche durchziehen das Gelände. „Unser Ziel ist, dass hier bald wieder die Affen von Baum zu Baum springen.“ Dieses klare Bild sorgt dafür, dass überall konsequent angepflanzt wird. Nachhaltiges Handeln entsteht häufig als Konsequenz aus Fehlern, die in der Vergangenheit gemacht wurden. Und das ist gut so. Organisationen und Menschen, die aus Fehlern lernen und dazu stehen, zeigen authentisches Engagement für die Umwelt und die Gesellschaft.

www.chachaguarainforesthotel.com

Erkenntnis Nr. 3:

Nachhaltigkeit erfordert eine Vision! Erst das konkrete Zukunftsbild sorgt dafür, dass alle Beteiligten engagiert und zielgerichtet handeln.

Hier im Monteverde Reserve gibt es sie noch, die unberührte Natur. 2,5 % der globalen Biodiversität ist hier beheimatet. Eine gewaltige Zahl. Doch schon der Weg dorthin ist ein Abenteuer – und nicht jedermanns Sache: Schlammpiste. Tiefe Schlaglöcher soweit das Auge reicht. Durchschnittsgeschwindigkeit 30 km/h, über etwa zwei Stunden.

Und das, obwohl Costa Rica sehr wohl in der Lage wäre, eine Straße zu bauen. Im Gegenteil. Die Regierung legt großen Wert darauf, dass eben nicht jeder in den Nebelwald kommt. Und wenn überhaupt, dann nur, um mindestens für zwei Nächte zu bleiben, statt von Destination zu Destination zu hüpfen. Bewusste Naturliebhaber statt Massentouristen sind die Zielgruppe.

Offenbar liegt den Ticos, wie die Costa Ricaner auch genannt werden, viel daran, gezielt die Reisenden ansprechen, die bereit sind, für Nachhaltigkeit auch zu bezahlen. Zum Beispiel in Form des Eintrittspreises für den Nebelwald: dieser kostet für zwei Erwachsene und ein Kind über 100 Euro (ohne Guide!). Das Monteverde Reserve ist heute der berühmteste Nebelwald der Welt.

www.cloudforestmonteverde.com

Erkenntnis Nr. 4:

Auch eine schlechte Straße kann als Weg zu sanftem Tourismus dienen. Die Idee: Wer es über diese Hürde schafft, der wertschätzt mit Sicherheit die besondere Natur, die das Ziel zu bieten hat. Wichtig ist, die richtigen Kunden anzusprechen – statt möglichst viele.

 

Identität zeigen heißt: Haltung zeigen. Das gilt selbstverständlich auch im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit. Eine starke Marke muss sich heute auch zu diesem Thema eindeutig und glaubwürdig positionieren.

Wie sehen Ihre Leuchttürme für Nachhaltigkeit aus, die für andere Kompass und Inspiration sind?  Welche Zugangsbeschränkungen setzen Sie, um die richtigen Kunden für Ihr Nachhaltigkeits-Engagement zu begeistern?

Teilen Sie Ihre persönliche Nachhaltigkeitsgeschichte mit uns, wenn Sie Ihre Antworten auf diese Fragen schon gefunden haben! Schreiben Sie uns an inspiration@spallmachtmarke.de.

Und wenn nicht: Wir helfen Ihnen gerne dabei, Ihre identitätsorientierte Haltung (auch) zur Nachhaltigkeit zu entwickeln. Wie gewohnt, authentisch und umsetzbar.